Review: Tasting Dinner Indochine München 07.11.2009

indochine Es war ein toller Abend und das Indochine fand in mir einen neuen Fan! Als das erste Mal von diesem Lokal berichtet wurde, war ich  skeptisch. Chinesisch?  Frittierte Frühlingsrollen auf süßsaurem Schweineallerlei serviert zu verklebtem Reis?  Meine gesamte chinesische Restauranterfahrung war schnell zusammen gepuzzelt. “…und das auch noch zu Corton Charlemagne oder Charmes Chambertin?”  Die Restaurantbilder waren nicht überzeugender.  Doch langsam überredete ich mein Vorurteil und begann nachzudenken. Indochine? Klar die französische Indieband, kennt jeder, aber die Region? Wikepedia brachte die schnelle Aufklärung. “Im politischen Sinn umfasste Indochina Laos, Kambodscha und Vietnam, die ab 1887 als „Union Indochinoise“ – „Französisch-Indochina“ – dem französischen Kolonialreich eingegliedert waren.” Na also dachte ich so bei mir, das klingt doch gleich viel besser. Asiatische Küche mit französischem Einschlag, das muss probiert werden konstatierte ich und fand mich so, eine Woche später, auf dem Tasting Dinner wieder. 25 Weine zur Auswahl plus 5-Gänge Menu – einen toller Abend war gewiss.

Glücksrolle: Noch mit der Angst, dass vielleicht doch frittiertes Gemüse gereicht würde, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus,  als mir ein nach Frische und Frühling duftendes Roellchen serviert wurde. Durchsichtig verhülltes Gemüse arrangiert mit Glasnudel und Flusskrebs, vollendet ohne Salz und Pfeffer,  lediglich begleitet von einem aromatischen Dipp. Schlichte Eleganz.

Schlossböckelheimer Kupfergrube Riesling Spätlese Dönnhoff 2008: Der Wein ergänzte diese Speise mit fruchtiger Noten und mit der, von mir eigentlich so gehassten Restsüsse, die hier allerdings zu passen schien. 7.8

Dim Sum: Jetzt ging alles ein bisschen schnell mit dem Servieren und schwupp die wupp stand es vor mir,  das auf einem La-Lot Blatt gebettete schmackhafte Teigtäschen. Minimalismus pur – vielleicht etwas zu viel Chilies?

Le Corton Bouchard 2007: Mein heutiger Favorit unter den Roten . Sehr ausdrucksstarke Terroir-Aromen , komplexe Frucht, unendliche Länge. Wenig Holz. – Hier bin ich Corton, hier darf ich sein. 9.2

Charmes Chambertin Potel 2007: Schwierig zum probieren. Hier störte auch die überzogene Schärfe des Ganges.  Trotzdem, nochmals 2 Stunden später verkostet, war jetzt schon deutlich besser zu spüren, was uns bei dieser Grande Dame noch bevorsteht. Weiches, fast jungfräulich anmutendes Terroir eng verflochtenen mit den feinen Fruchtaromen und untermalt von dezentem Holz. Der Charmes des Chambertin begann hier bereits zu wirken. 8.8

Tiger Prawns mit Fenchel: Das war genau das Richtige in diesem Moment. Rohes und gedämpftes Gemüse ist sehr angenehm, doch jetzt musste etwas Wahrhaftes und Gekochtes her! Mein Wille geschah. Vorzügliche Prawns, die ich nach Anweisung des Kochs mit Schale verschlang, entpuppten sich in dem süssscharfen Sud als kleine Delikatesse.

Chablis Grand Cru Valmur Bessin 2007: Chablis ist und bleibt der treuste Begleiter des Schalentiers. w (wieder)zbw. Grosse Mineralik, reife Frucht und dezentes Holz.  Schade, er hätte zuvor dekantiert werden müssen, denn die Geschmacksnoten waren wirklich nur zu erahnen. 8.5

Corton Charlemagne Bouchard 2007: Goldgelben strahlte mir diese Schönheit bereits im Glas entgegen. Meine Nase auf einmal inmitten eines Blumenfeldes. Wo war ich? Bouchard, ein Meister der Illusion. Jetzt auf meinem Gaumen feine, sich schier unendlich ausbreitenden Apfel-  und Birnenaromen und immer und immer wieder dieser Honig. Gebt her! In 10 Jahren ein Teufelszeug.  9.8

Entrecote: Fantastisch gebratene kleine Filets, gebettet in eine köstliche Soße uneinnehmbar umschlossen von grünen Bohnen – der Sieg gehörte uns. Die Soße! “Ach Herr Koch, wie haben Sie es nur vermocht, diesem pikanten Raubtier eine solche Lieblichkeit zu entlocken? Zwiebel glasiert mit Palmenzucker, der Herr! Ahhh….”

Barolo Le Vigne Sandrone 2005: Weniger verschlossen als der Pie Rupestris 2004 von Cappellano wurden wir alle wach von diesem Ruck. Bourgogne versus Barolo – welch ein Gegensatz! Aber so angenehm. Der Wein, nachdem wir ihm ein paar Stunden zum Atmen gegönnt hatten, offenbarte sich unserer Nase als eine Mischung von Rosen und Cassis. Bereits einverleibt bewies er sich als stilsicherer Begleiter des geschmacksintensiven Entrecote. Dieser Wein braucht Zeit. 8.8

Roi B.

Kommentare sind geschlossen.